{"id":36,"date":"2011-12-14T09:14:11","date_gmt":"2011-12-14T09:14:11","guid":{"rendered":"http:\/\/gesundheits.at\/?p=36"},"modified":"2012-08-07T11:56:52","modified_gmt":"2012-08-07T11:56:52","slug":"viele-herzfehler-bleiben-unentdeckt-fruherkennung-im-kindesalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gesundheits.at\/?p=36","title":{"rendered":"Viele Herzfehler bleiben unentdeckt &#8211; Fr\u00fcherkennung im Kindesalter"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/gesundheits.at\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/herzfehler1.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-56\" title=\"herzfehler\" src=\"http:\/\/gesundheits.at\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/herzfehler1.png\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"155\" \/><\/a>DDDr. Peter Voitl ist Experte f\u00fcr fr\u00fchkindliche\u00a0\u00a0 Herzfehler- diagnostik: Etwa 8 bis 10 von 1.000\u00a0\u00a0 Kindern leiden an einer angeborenen Fehlbildung des Herzens oder der gro\u00dfen Gef\u00e4\u00dfe, mittlerweile erreicht der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Betroffenen das Erwachsenenalter. Diese Prognoseverbesserung ist eng mit einer fr\u00fchzeitigen Diagnostik verbunden. In \u00d6sterreich sind derzeit etwa 800 Kinder pro Geburtsjahrgang betroffen.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Der menschliche Fetus besitzt in den ersten Lebenswochen einen Vorhof, eine Herzkammer und einen herznahen Arterienstamm. Die Ausbildung von zwei Herzteilen und zwei Kreisl\u00e4ufen ist dadurch m\u00f6glich, weil Scheidew\u00e4nde die Herzh\u00f6hlen unterteilen, es kommt zu komplizierten Drehungsvorg\u00e4ngen. St\u00f6rungen dieser fetalen Herzentwicklung sind die Ursache der angeborenen Herzfehler, wobei man den eigentlichen Grund in einem Gro\u00dfteil der F\u00e4lle nicht kennt. Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der angeborenen Herzfehler (ca 80%) entsteht quasi schicksalshaft und ohne einer fassbaren Ursache. Bei acht Prozent liegt ein genetischer Defekt vor. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Viruserkrankungen (z. B. R\u00f6telinfektion in der Schwangerschaft), exzessiver Alkoholkonsum und manche Medikamente in der fr\u00fchen Schwangerschaft zu Herzfehlern f\u00fchren. Eine Sch\u00e4digung in der Schwangerschaft \u2013 zum Beispiel durch Medikamente oder Viren \u2013 ist aber selten und liegt im Bereich weniger Prozente.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fcherkennung<\/strong><\/p>\n<p>Zur Fr\u00fcherkennung ist es wichtig die Symptome zu kennen: Manche Kinder werden unmittelbar nach der Geburt auff\u00e4llig, etwa durch Zyanose (violette bis bl\u00e4uliche Verf\u00e4rbung der Haut, Lippen), Atem- oder Trinkschwierigkeiten, bei anderen wird der Fehler erst im Alter von einigen Tagen, Wochen. Monaten oder erst nach Jahren bemerkt. Manche Herzfehler gehen bereits nach der Geburt mit einer schweren Zyanose einher. Andere angeborene Herzfehler f\u00fchren erst sp\u00e4ter oder auch gar nicht zu einer Zyanose.<\/p>\n<p>Hier wird deutlich, dass das enge Netz der Mutterkindpassuntersuchungen sehr wichtig ist und unbedingt genutzt werden sollte. Weitere typische Symptome einer Herzerkrankung w\u00e4ren: eine Tachycardie, eine auffallend angestrengte und beschleunigte Atmung, Entwicklung von \u00d6demen, schnelle Ersch\u00f6pfbarkeit, Schwitzen bei geringster Belastung und schlechtes Gedeihen. S\u00e4uglinge trinken schlecht, nehmen wenig zu.\u00a0Bei vielen Kindern mit geringf\u00fcgigen Fehlbildungen gibt es aber\u00a0 (fast) keine\u00a0 Symptome.<\/p>\n<p><strong>Viele Arten von Herzfehlern<\/strong><\/p>\n<p>Kinder k\u00f6nnen unterschiedliche Herzfehler haben. Aussagen \u00fcber Prognose und Art der Therapie sind nur bei genauer Kenntnis des individuellen Herzfehlers m\u00f6glich. Ein solcher Herzfehler kann bereits bei der Geburt offensichtlich sein, manchmal bleibt er jedoch jahrelang unbemerkt; h\u00e4ufig wird bei einer Routinekontrolle ein\u00a0 \u201eHerzger\u00e4usch\u201c festgestellt.<\/p>\n<p>Dieses neu diagnostizierte Herzger\u00e4usch stellt eine der h\u00e4ufigsten Ursachen der Zuweisung zum Kinderkardiologen dar.\u00a0 In der Altersgruppe vom ersten bis zum 14. Lebensjahr ist bei 32% bis 75% aller Kinder ein Herzger\u00e4usch feststellbar. Bei dem \u00fcberwiegend gr\u00f6\u00dften Teil dieser Herzger\u00e4usche handelt es sich um ein sogenanntes Wachstumsger\u00e4usch. Dennoch sollte eine Abkl\u00e4rung und somit der Ausschluss eines Herzfehlers durchgef\u00fchrt werden, da etwa jedes hundertste dieser Kinder auch tats\u00e4chlich einen Herzfehler hat. Eine m\u00f6glichst fr\u00fchzeitige Diagnostik zur Vermeidung von Komplikationen ist anzustreben. Ein typisches Beispiel w\u00e4re der unentdeckte ASD II, der bei einer Therapie jenseits des 40. Lebensjahres eine Sterblichkeitsrate von bis zu 50% aufweist.<\/p>\n<p>Viele Patienten mit angeborenen Herzfehlern bed\u00fcrfen auch nach einem prim\u00e4r erfolgreichen Eingriff einer kinderkardiologischen Weiterbetreuung. Besonderer Beachtung bed\u00fcrfen sogenannte Rest- und Folgezust\u00e4nde nach einer operativen Behandlung.<\/p>\n<p>Zum einen ist eine schnelle Diagnostik bei jeder tats\u00e4chlichen Fehlbildung nat\u00fcrlich von Vorteil. Mit der Diagnose \u201eHerzfehler\u201c beim Kind konfrontiert zu werden, z\u00e4hlt aber auch zu den erschreckendsten Erlebnissen, denen man als Elternteil begegnen kann.\u00a0 Oftmals wird die Diagnose \u201eHerzger\u00e4usch\u201c von den Eltern mit \u201eHerzfehler\u201c gleichgesetzt. Eine m\u00f6glichst rasche Abkl\u00e4rung ist daher erstrebenswert, auch weil viele schulische und berufliche Entscheidungen (Sportschulen, Turnbefreiung, etc.) davon abh\u00e4ngen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Richtige Untersuchung<\/strong><\/p>\n<p>Der klassische Weg der Durchuntersuchung mit \u00dcberweisung zu EKG und Thoraxr\u00f6ntgen hat sich als wesentlich in- effektiver und teurer erweisen als die m\u00f6glichst fr\u00fchzeitige \u00dcberweisung zum p\u00e4diatrischen Kardiologen, der dann entscheidet, ob eine Echokardiographie erforderlich ist. Diese \u00dcberweisung soll unabh\u00e4ngig davon erfolgen, ob bereits eine Diagnostik innerhalb der Geb\u00e4rmutter durchgef\u00fchrt wurde. Die k\u00f6rperliche Untersuchung, das Abh\u00f6ren und die Pulsoximetrie (Verfahren mit dem die Sauerstoffs\u00e4ttigung des arteriellen Blutes und die Herzfrequenz ermittelt wird) sind allein und auch in Kombination nicht ausreichend.<\/p>\n<p>Durch die Fortschritte der fetalen Echokardiografie kann heute die \u00fcberwiegende Zahl der schwerwiegenden Herzfehler bereits pr\u00e4natal korrekt diagnostiziert werden. Dies erlaubt eine fr\u00fchzeitige umfassende Beratung der Eltern mit der Empfehlung einer Entbindung in einem Perinatalzentrum mit einer angeschlossenen Kinderherzklinik. Postpartal kann so eine h\u00e4modynamische Dekompensation der Neugeborenen vermieden werden und die kinderkardiologische Diagnostik sowie eine katheterinterventionelle oder kinderherzchirurgische Therapie zeitgerecht durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dies hat aber auch zu einer Ver\u00e4nderung der festgestellten H\u00e4ufigkeit von angeborenen Herzfehlern bei Kindern mit Herzger\u00e4uschen gef\u00fchrt. In einer Studie (Voitl u.a. 2011) wurden die echokardiografischen Daten\u00a0 von 2.045 Patienten evaluiert und die H\u00e4ufigkeit und Art von bisher nicht bekannten angeborenen Herzfehlern ausgewertet.<\/p>\n<p><strong>Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der Kinder mit Herzger\u00e4uschen hatte zwar ein Wachstumsger\u00e4usch ohne pathologisches Substrat, einen Sehnenfaden oder lediglich einen geringf\u00fcgigen Herzfehler. Dennoch besteht f\u00fcr Kinder auch nach dem geburtshilflichen Screening ein (wenn auch geringes) Risiko, einen schwerwiegenden Herzfehler zu haben. In dieser Studienpopulation fanden sich 14,9 % der Patienten mit einer zuvor unbekannten angeborenen Herzfehlbildung; 1,4 % ben\u00f6tigten eine medikament\u00f6se und 0,6 % eine interventionelle oder chirurgische Behandlung.<\/p>\n<p>Daher wird die kinderkardiologische Abkl\u00e4rung auch f\u00fcr Kinder mit Herzger\u00e4uschen, die bereits einer pr\u00e4natalen Ultraschalldiagnostik unterzogen wurden, empfohlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DDDr. Peter Voitl ist Experte f\u00fcr fr\u00fchkindliche\u00a0\u00a0 Herzfehler- diagnostik: Etwa 8 bis 10 von 1.000\u00a0\u00a0 Kindern leiden an einer angeborenen Fehlbildung des Herzens oder der gro\u00dfen Gef\u00e4\u00dfe, mittlerweile erreicht der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Betroffenen das Erwachsenenalter. 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