{"id":327,"date":"2012-03-26T10:33:47","date_gmt":"2012-03-26T10:33:47","guid":{"rendered":"http:\/\/gesundheits.at\/?p=327"},"modified":"2012-08-07T11:44:55","modified_gmt":"2012-08-07T11:44:55","slug":"wenn-das-leben-weh-tut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gesundheits.at\/?p=327","title":{"rendered":"Wenn das Leben weh tut"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Schmerz <a href=\"http:\/\/gesundheits.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/mensch.png\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-328 alignleft\" title=\"mensch\" src=\"http:\/\/gesundheits.at\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/mensch-300x227.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"200\" \/><\/a>\u2013 ein Ph\u00e4nomen in Gesellschaft, Religion und Medizin<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jeder Mensch kennt sie \u2013 Schmerzen. Sie sind Leiden und Qual f\u00fcr den K\u00f6rper, k\u00f6nnen aber auch Lust vermitteln, Macht begr\u00fcnden, die Seele l\u00e4utern und Kr\u00e4fte entfesseln. Das, was sich hinter dem Wort Schmerz verbirgt, hat viele Gesichter mit zutiefst unterschiedlichen Z\u00fcgen. Jeder Einzelne verbindet individuelle Empfindungen mit dem Schmerz.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jedes Volk hat dem Schmerz eine Rolle in seiner Gesellschaft einger\u00e4umt. Bei uns \u00fcblich ist die Annahme, dass Schmerz die Lebensqualit\u00e4t erheblich einschr\u00e4nkt, den Schmerzpatienten auf einen unfairen, langen Leidensweg schickt, durch einen Sturm der Verzweiflung peitscht und nebenbei der Volkswirtschaft enormen wirtschaftlichen und finanziellen Schaden zuf\u00fcgt. Schmerzen sind zu einer ernst zu nehmenden Erkrankung geworden. Die Tour der Leiden. So wird die Tour de France bezeichnet, die jedes Jahr aufs neue Radprofis aus aller Welt mehrere Wochen lang durch Frankreich schickt. Ohne Doping ist die Strapaze kaum noch zu ertragen. Der Preis f\u00fcr jeden, der ins Rennen geht, ist hoch und mit vielen Schmerzen verbunden. Im Sport leistungsbereit zu sein heisst, bereit daf\u00fcr zu sein, Schmerz zu ertragen, Verletzungen in Kauf zu nehmen. Einer anderen Form des Schmerzes setzen sich all jene aus, die sch\u00f6n sein wollen. Schmerz ist mit dem Sch\u00f6nheitsideal verbunden, denn wer sch\u00f6n sein will, muss leiden, so ein Sprichwort, das seine Wurzeln in Frankreich hat. Schmerzen, die bei der Befriedigung von sexuellen W\u00fcnschen empfunden werden k\u00f6nnen, sind f\u00fcr viele Menschen heute kein Tabu mehr. Wer Lust will, der akzeptiert oft auch \u2013 oder w\u00fcnscht es sich sogar &#8211; dass diese Lust mit Schmerzen verbunden ist. Cicero bezeichnet den Schmerz als eine \u201erauhe Bewegung im K\u00f6rper, die von den Sinnen abgelehnt wird\u201c. F\u00fcr ihn ist Schmerz kein seelischer Zustand, sondern er differenziert in k\u00f6rperliche Schmerzen und in die Emotion des Kummers, der Lust- und Schmerzlehre sowie der Schmerztheorie. Je nachdem welches gesellschaftliche Rollenverst\u00e4ndnis gerade dominiert, \u00e4ndert sich auch das Verh\u00e4ltnis der Gesellschaft zum Schmerz. Schmerz wird in verschiedenen Situationen \u2013 und je nach Zugeh\u00f6rigkeit zu bestimmten gesellschaftlichen Gruppen \u2013 unterschiedlich erduldet. \u00dcber den Schmerz erwerben viele Menschen beispielsweise ihre gesellschaftliche Position. Speziell das Erwachsenwerden und Erwachsensein ist mitunter gekoppelt an Riten, die Leid in sich bergen. Bei der Initiation, einem Aufnahmeritual traditioneller Gesellschaften, ist das Ertragen von Schmerz unverzichtbar und hat gar etwas Befreiendes. Die Hamar, ein Volk in S\u00fcd\u00e4thiopien wiederum, gibt sich durch das kollektive Zuf\u00fcgen von Schmerz seine Identit\u00e4t. Schmerz ist abwechslungsreich und vielseitig und so liegt es nahe, dass er seit jeher eine \u00fcbergeordnete Rolle in der Religion spielt, insbesondere in der j\u00fcdisch-christlichen Tradition, die den Schmerz in Zusammenhang mit Schuld und S\u00fchne stellt, da der urspr\u00fcngliche Sch\u00f6pfungsplan Gottes keinen Ort f\u00fcr Schmerz vorsah. Erst durch den S\u00fcndenfall treten der Schmerz und die Schmerzempfindung in die Welt des Menschen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der Schmerz \u2013 eine Gabe Gottes an den s\u00fcndigen Menschen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Leiden und Religion bilden eine ganz besondere Einheit, die auch heute noch sowohl das Schmerzempfinden, die Einstellung zum Schmerz als auch das Ertragen von Schmerzen pr\u00e4gt. Religionen nutzen den Schmerz zum Eigenzweck. So bilden der Leidensweg Christi und die Qualen, die Jesus am Kreuz ertragen musste, die Basis der christlichen Religion. Das Leid geht f\u00fcr viele auch nach dem Tod weiter, denn wer sich auf Erden als schlechter Christ erwies, der schmort f\u00fcr ewig im Fegefeuer, das nicht nur ungem\u00fctlich, sondern \u00e4u\u00dferst schmerzvoll ist. Die Kirche erhob M\u00e4nner und Frauen zu M\u00e4rthyrern, wenn sie Schmerzen und Qualen herbei sehnten und verherrlichten. Wer im Mittelalter ein Mittel gegen Schmerzen anbot, schloss einen Pakt mit dem Teufel \u2013 der Scheiterhaufen war dem K\u00e4tzer gewiss. Schmerzen galten als Parallele zum Leidensweg Christi und als solche waren sie nicht nur zu akzeptieren, sondern mussten als Strafe Gottes und zur Erl\u00f6sung der Seele ertragen werden. Die Erl\u00f6sung vom Schmerz galt als Gnade Gottes. Nicht jeder Schmerz dient dem Menschen, auch wenn religi\u00f6se Vertreter und Philsophen der Ansicht sind, dass sich Gott durch den Schmerz mit unserem Gewissen in Verbindung setzt. Der Schmerz, so h\u00f6ren es Schmerzpatienten oft, wird seinen Sinn haben. Ein Betroffener kann solche Aussagen nur als zynisch empfinden. Ob Schmerzen Sinn haben oder nicht, darf eine philosophische Frage sein und bleiben. F\u00fcr den Betroffenen wird die Antwort darauf vermutlich keine wesentliche Erleichterung bringen. Wohl Erleichterung bringt dem Schmerzpatienten der Glaube. Forscher der Universit\u00e4t Oxford haben herausgefunden, dass starke religi\u00f6se Gef\u00fchle Schmerzen lindern k\u00f6nnen. Die Schmerzlinderung wird von speziellen Gehirnregionen gesteuert, die sich im Frontallappen der Gro\u00dfhirnrinde befinden. Dieser Gehirnbereich ist unter anderem daf\u00fcr verantwortlich, einer schlechten Erfahrung positive Bedeutung zu geben, um besser damit umgehen zu k\u00f6nnen. Bei gl\u00e4ubigen Patienten aktiviert sich die Gehirnregion, wenn sie zum Beispiel Bilder mit religi\u00f6sen Motiven betrachten. Von diesen Erkenntnissen erhofft sich die Wissenschaft neue Ans\u00e4tze bei der Entwicklung wirkungsvoller Schmerztherapien. In der Religion ist der Schmerz demnach Werkzeug. In der religi\u00f6sen Systematik erkennt der Mensch durch den Schmerz seine Grenzen und es bietet sich ihm die M\u00f6glichkeit zur Umkehr. Doch der Schmerz hat durchaus auch die Kraft, die Religion in Bedr\u00e4ngnis zu bringen. Durch Schmerz, Leid und die Ungerechtigkeit auf Erden stellt der Mensch zusehends die religi\u00f6se Wahrheit und damit die g\u00f6ttliche Lenkung in Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der medizinische Umgang mit Schmerz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die medizinische Geschichte des Schmerzes ist gepr\u00e4gt von unterschiedlichen Str\u00f6mungen, die einem Pendel gleichzusetzen sind, wobei ein Pendelausschlag einer Hauptdenkrichtung entspricht und rund 50 Jahre dauert. Vor rund 50 Jahren stand der schmerzgeplagte Patient im Mittelpunkt des Interesses der Chirurgen. Als Schmerzmittel wurden Opium, Morphin und Kokain eingesetzt. Die Pharmaindustrie erlebte ihren Durchbruch mit Entdeckungen wie Insulin oder Sulfonamiden. An\u00e4sthestika, zentralwirksame Mittel aber auch neue Bet\u00e4ubungsverfahren konnten durchaus als Erfolge gewertet werden. Das Pendel schlug in Richtung der medikament\u00f6sen Terapie aus; die Schmerztherapie war erfunden. Doch im Laufe der Jahrzehnte mussten Patienten und \u00c4rzte erkennen, dass die alleinige medikament\u00f6se Form der Schmerztherapie Grenzen hat. Auch was den geeigneten \u201eArzt f\u00fcr Schmerzen\u201c betrifft, gab es unterschiedliche Entwicklungen. Zu Beginn suchten Schmerzpatienten h\u00e4ufig den Hausarzt und auf dessen Anraten den Orthop\u00e4den auf. Dieser konnte bei der Therapie von Schmerzen durchaus behilflich sein, doch nicht in allen F\u00e4llen. Des Orthop\u00e4den Bem\u00fchen war nicht immer von Erfolg gekr\u00f6nt \u2013 konnte es auch nicht sein. Was blieb waren ein weiterhin leidgeplagter Patient und ein frustrierter Arzt \u2013 der seine nicht heilen wollenden Patienten gerne zum Psychiater schickte. Ganz nach dem Motto: Schmerzen? Alles nur eine Einbildung! Viele Orthop\u00e4den traten nach ihren Misserfolgen den R\u00fcckzug als Schmerztherapeuten an. Ihren Platz nahmen sukzessive die Rheumatologen und die Neurologen ein. Ein Gro\u00dfteil der Rheumatologen dachte bei ihren Schmerztherapien in Richtung Weichteilrheumatismus. F\u00fcr diesen suchten sie den Stein der Weisen, die einzige Pille, die gegen Schmerzen und Schmerzsyndrome half. Der Zugang dazu erfolgte mitunter auf sehr unwissenschaftliche Weise. Etwas anders gepolt waren die Neurologen. Sie gingen davon aus, dass den Schmerzen neurologische Muskelerkrankungen zu Grunde liegen und dass die Schmerzen ihren Anfang vom Muskelapparat nehmen. Die Bezeichnung daf\u00fcr lautete Myopain. Von einem neuromuskul\u00e4ren Krankheitsbild schlossen sie auf das Unbekannte, doch auch dies entpuppte sich als ein wissenschaftlich nicht zu untermauernder<br \/>\nTrugschluss, den vor allem eine Branche besonders freute \u2013 die Pharmaindustrie. Alle waren auf der Suche nach der seligmachenden Pille, die in der Lage ist, den Schmerz zu lindern oder gar f\u00fcr immer zu beseitigen. Als die Wunderwaffen schlechthin galten das Pregabalin und das Doluxetin. Dem leidenden Patienten wurde mitgeteilt, dass er seine Schmerzen bis zur Marktreife der Wunderwaffen entweder in den Griff zu bekommen h\u00e4tte oder durchhalten m\u00fcsse. Anfang 2000 war es dann so weit. Die Pr\u00e4parate kamen auf den Markt, ihr Erfolg lag weit unter dem Durchschnitt und der Patient litt weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wettbewerb um den Schmerz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch heute noch sind es vor allem die Orthop\u00e4den, Rheumatologen und Neurologen, welche Schmerzpatienten behandeln. Die Psychologen treten auf die B\u00fchne, wenn Spritzen, Nadeln, Gipse oder Operationen nichts mehr n\u00fctzen. Die Tendenz in der Kompetenz von Schmerzbehandlungen geht zu letzteren \u2013 den Psychologen. Bei diesem Wettkampf um die Nummer eins Position bei der Behandlung von Schmerzen spielen immer auch Machtstrukturen und die Br\u00fcskierung von Fachgruppen eine Rolle. Der Chirurg will seinen Teil am Schmerzpatienten haben, der Rheumatologe und der Psychologe ebenso. Die Honorare, die sich mit Schmerzpatienten erwirtschaften lassen, sind beachtlich, denn der Schmerzpatient ist bereit, viel Geld daf\u00fcr zu zahlen, um wieder schmerzfrei zu sein. Die Pharmaindustrie will ihr Gesch\u00e4ft machen. Jeder gesundete Schmerzpatient beraubt die Pharmaindustrie um Geld, Macht und Prestige. Im Mittelpunkt der K\u00e4mpfe steht der Patient.<br \/>\nEr sieht sich mit einem \u00dcberangebot von Therapien konfrontiert, ist kaum in der Lage, in diesem Dschungel die f\u00fcr ihn passende Therapie zu finden. Er probiert auf Anraten seiner \u00c4rzte ein Angebot nach dem anderen aus und wird, im Grunde genommen, alleine gelassen mit seinem Problem \u2013 den Schmerzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Zusammenarbeit gegen die Schmerzspirale<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um die Patienten k\u00fcnftig besser betreuen zu k\u00f6nnen, wollen \u00d6sterreichs Schmerzspezialisten,<br \/>\nNeurologen und Rheumatologen k\u00fcnftig verst\u00e4rkt zusammenarbeiten. Es bedarf der Koalition verschiedener Spezialisten, um den Schmerz ma\u00dfgeblich bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Als wirkungsvolle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Schmerzbek\u00e4mpfung dienen Opiate, die noch immer mit gro\u00dfen Vorurteilen behaftet sind. Ein Gro\u00dfteil der Mediziner ist jedoch der Auffassung, dass Opiate \u2013 ad\u00e4quat eingesetzt \u2013 zu keinerlei Abh\u00e4ngigkeit f\u00fchren. Das Opiat alleine wird jedoch kein Allheilmittel und alleinigen Schl\u00fcssel hin zum schmerzfreien Leben darstellen. Es bleibt eine wesentliche Aufgabe der Mediziner, dem Patienten zuzuh\u00f6ren, denn auch seelische und geistige Prozesse sind bei einer Schmerztherapie zu ber\u00fccksichtigen. Da Schmerzen die gesamte Konstitution des Menschen betreffen, geh\u00f6ren zur Diagnose und zur Therapie auch die Anamnese, also das umfassende Gespr\u00e4ch mit dem Patienten. Die gesamte Patientengeschichte ist in die Therapie miteinzubeziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Drei Arten von Schmerz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Heute werden Schmerzen haupts\u00e4chlich in drei Gruppen eingeteilt: akute Schmerzen, chronische Schmerzen und neurophathische Schmerzen. Ein akuter Schmerz signalisiert dem K\u00f6rper, dass eine akute Gefahr besteht. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Verletzung. Sie tritt auf, tut weh und k\u00f6nnte unbehandelt zu Folge- oder Langzeitsch\u00e4den f\u00fchren. Aktue Schmerzen sind daher in ihrer Ursache oft eindeutig erkennbar und lassen sich gezielt behandeln. Der chronische Schmerz stellt im Unterschied zum Akutschmerz ein eigenes Krankheitsbild dar. Die Ursachen f\u00fcr chronische Schmerzen lassen sich oft schwer feststellen oder sind nicht mehr vorhanden. Das macht die Behandlung von chronischen Schmerzen deutlich schwieriger. Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn die schmerzhafte Empfindung l\u00e4nger als sechs Monate dauert. Neuropathische oder Nervenschmerzen entstehen dann, wenn Nervengewebe zum Beispiel durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus Schaden nimmt. Die Sch\u00e4digung kann sowohl das periphere oder entfernt liegende sowie das zentrale Nervensystem (Gehirn, R\u00fcckenmark) betreffen. Ein typischer Vertreter f\u00fcr einen neuropathischen Schmerz ist der Phantomschmerz. Bei einer Amputation werden die peripheren Nerven durchtrennt, der Nervenschmerz, dessen Ursache im zentralen Nervensystem beheimatet ist, tritt dennoch auf. Doch auch im Verlauf von psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Depression oder Burnout kommt es bei etlichen Patienten zu teils massiven Schmerzempfindungen. Die Ursachen hierf\u00fcr sind jedoch nicht auf eine Sch\u00e4digung von Organen oder Gliedma\u00dfen zur\u00fcck zu f\u00fchren, sondern wurzeln in der Psyche.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Schmerzformen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zu den h\u00e4ufigsten Schmerzen, unter denen Menschen zu leiden haben, geh\u00f6ren Kopf-, R\u00fccken- und Gliederschmerzen. Oft treten auch Gelenks-, Gesichts- und Fu\u00dfschmerzen auf, alle Formen von Entz\u00fcndungsschmerzen zum Beispiel in Ellebogen oder Knie, Bauch-, Blasen-, Brust-, Unterleibsschmerzen, Ohren-, Augen- und Zahnschmerzen, Schmerzen k\u00f6nnen auch den Stuhlgang und das Wasserlassen begleiten, ebenso als Regelschmerzen oder Schmerzen, die beim Geschlechtsverkehr in Erscheinung treten. Tumorschmerzen und Phantomschmerzen z\u00e4hlen zu den \u00fcberaus unangenehmen Schmerzen, welche beachtliches Potenzial zur massiven Beeintr\u00e4chtigung der Lebensqualit\u00e4t des Patienten in sich bergen. In \u00d6sterreich ist weit mehr als eine Million Menschen von Schmerzen betroffen &#8211; Tendenz steigend, insbesondere deshalb, weil die Menschen immer \u00e4lter werden. Rund 200.000 dieser Patienten gelten als unterversorgt, wiewohl bei 90 Prozent aller Schmerzpatienten eine Linderung der Leiden m\u00f6glich w\u00e4re. Mit diesen Zahlen liegt \u00d6sterreich in Europa nahezu an der Spitze. Noch mehr Schmerzpatienten pro 100 Einwohner weisen Finnland und Italien auf, deutlich weniger haben Spanien, Gro\u00dfbritannien oder auch Frankreich. Als h\u00e4ufigster Ausgangspunkt f\u00fcr Schmerzen werden die Bandscheiben genannt, gefolgt von Arthritis und Schmerzen nach Unf\u00e4llen. Migr\u00e4ne- und Rheumaschmerzen folgen auf den Pl\u00e4tzen. Mehr als 80 Prozent der Menschen hatten in ihrem Leben schon unter schweren R\u00fcckenschmerzen zu leiden, rund 40 Prozent der \u00fcber 70-J\u00e4hrigen klagen \u00fcber eine schmerzhafte Arthrose.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Suche nach dem Weg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In vielen F\u00e4llen gilt der Schmerz als Hauptsymptom f\u00fcr verschiedene Erkrankungen und f\u00fchrt demnach erst zu einem sp\u00e4teren Stadium zur Behandlung. Ziel ist es jedoch, dass die Betroffenen dazu gebracht werden, mit ihren Beschwerden fr\u00fcher zum Arzt zu gehen in der Hoffnung, einen Arzt zu konsultieren, der die Schmerzen ernstnimmt und individuell abgestimmte Therapieans\u00e4tze anbietet. Noch sieht die Realit\u00e4t in \u00d6sterreich f\u00fcr Schmerzpatienten frustrierend aus. Bis zu neun Mediziner sucht ein Schmerzpatient auf, bevor er eine ad\u00e4quate Behandlung erf\u00e4hrt. Andere Erkenntnisse fallen noch trister aus und sprechen davon, dass ein Schmerzpatient statistisch gesehen zehn Jahre ben\u00f6tigt und drei Operationen hinter sich bringen muss, bevor er bei einem Mediziner landet, der seinen Schmerz nicht als Neben- sondern als Hauptsache erkennt. Kein Wunder, dass viele Betroffene nach wie vor dazu neigen, die Schmerzen selbst zu behandeln, sich damit jedoch auch die Chance auf Heilung der Grunderkrankung nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Warum Menschen Schmerzen haben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt eine F\u00fclle an Ursachen, warum Menschen Schmerzen erleiden m\u00fcssen. Etliche Mechanismen k\u00f6nnen das K\u00f6rpergewebe sch\u00e4digen und so die Schmerzempfindung ausl\u00f6sen. Temperaturen (z. B. Verbrennungen oder Erfrierungen), Gewalteinwirkungen wie Schnittverletzungen, St\u00fcrze etc. oder giftige Substanzen wie S\u00e4uren oder Basen sind nur ein paar wenige Beispiele hierf\u00fcr. Die Sch\u00e4digung des Gewebes alleine verursacht den Schmerz noch nicht. Schmerz entsteht, weil er an eine komplexe Verarbeitung durch das Nervensystem gekn\u00fcpft ist. Der Schmerz entsteht auf vier unterschiedliche Arten. Egal welche Ursache der Schmerz hat, die Folge ist eine Spannung in der jeweiligen Muskelpartie. Ist der Schmerz physiologisch nozizeptiven Ursprungs wird er \u00fcber die Schmerzrezeptoren oder Nozizeptoren wahrgenommen. Die Ursache hierf\u00fcr liegt in thermischen, chemischen und mechanischen Reizen. Ist der Schmerz neuropathisch, so wird er als Nervenschmerz bezeichnet. Es entstehen Nervensch\u00e4digungen ausserhalb des zentralen Nervensystems (ZNS). Amputationen, Viren oder Diabetes mellitus k\u00f6nnen solche Schmerzen verursachen. Der Schmerz kann auch zentral begr\u00fcndet sein. In diesem Fall liegen die Nervensch\u00e4digungen innerhalb des ZNS, also im Gehirn oder im R\u00fcckenmark. Ursachen hierf\u00fcr sind beispielsweise Querschnittl\u00e4hmungen, Hirnschlag, Viren oder multiple Sklerose. Ist der Schmerz schlie\u00dflich psychosomatischer Natur, so ist er Ausdruck einer seelischen Belastung. Es liegt keine Sch\u00e4digung der Organe vor. Dauert die seelische Belastung zu lange an und manifestiert sich die psychosomatische oder somatoforme St\u00f6rung, \u00e4u\u00dfert sich dies in dauerhaften Schmerzen. Es wird eine neuerliche Stresssituation geschaffen und der Teufelskreis schlie\u00dft sich. Unabh\u00e4ngig davon, welche Ursache der Schmerz hat: die Folge ist eine reflexartige Verspannung der jeweiligen Muskelpartie. Das verursacht wieder Schmerzen, die weitere Muskelverspannungen nach sich ziehen. Auch Stress f\u00fchrt nachweislich zu einer erh\u00f6hten Muskelspannung. Schmerzpatienten reagieren auf Stress besonders intensiv und ben\u00f6tigen l\u00e4ngere Zeit, um die stressbedingte Anspannung wieder abzubauen. Sie zeigen demnach eine besondere Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr den fatalen Kreis aus Muskelspannung und Schmerz.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wer krank ist, ist als ganzer Mensch krank<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hippokrates sah den Menschen in seiner Gesamtheit an. Auch f\u00fcr ihn stellte der Schmerz eine wichtige Warnbotschaft f\u00fcr K\u00f6rper und Seele dar. Homer und Demokrit gingen auf den Schmerz in der menschlichen Gesundheit ebenso ein, wie Platon und Aristoteles. F\u00fcr sie waren der Schmerz wie auch andere Empfindungen Eigenschaften der Seele, die ihren Platz im Herzen hat. Schmerz ist einerseits ein Warnsignal des K\u00f6rpers, andererseits birgt der Schmerz unendlich zerst\u00f6rerische Kraft. Die Lebensqualit\u00e4t eines Schmerzpatienten ist empfindlich reduziert und verschlechtert sich mitunter zusehends. Mit seinem Schmerz macht der Patient eine existenzielle Erfahrung und unterzieht sein Bewusstsein einer beachtlichen Sch\u00e4rfung. Denn der Schmerz ist nicht nur eine Reaktion auf Reize, sondern eine wichtige und ganz besondere Form der Kommunikation. Schmerz kommuniziert nach innen zum eigenen K\u00f6rper hin, aber auch nach au\u00dfen, hin zum sozialen Umfeld. Schon sehr fr\u00fch ist der Mensch in der Lage, Schmerz zu empfinden. Heute wei\u00df man, dass ein etwa 26 Wochen alter Embryo ein voll entwickeltes Schmerzsystem vorzuweisen hat, das jedoch zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht mit dem wesentlichen, k\u00f6rpereigenen Schmerzhemmsystem ausgestattet ist. Unter Zuhilfenahme eines bildgebenden Verfahrens wird deutlich, dass der rein psychische Schmerz wie z. B. Trauerschmerz oder Zur\u00fcckweisung<br \/>\nteilweise in den gleichen Hirnregionen verarbeitet wird, wie rein k\u00f6rperliche Schmerzen, beispielsweise Traumaschmerzen. Die Entstehung von Schmerz ist vielschichtig Schmerz ist eine bio-psychosoziale Einheit, zu der auch nicht medizinische Einfl\u00fcsse, wie religi\u00f6se oder philosophische Sichtweisen, geh\u00f6ren. Die Multidimensionalit\u00e4t und die Deutungsvielfalt von Schmerz ist nicht nur ein Produkt unserer Zeit, sondern geht auf antike Quellen zur\u00fcck. Umso erstaunlicher stimmt es, dass moderne Schmerztherapien heute zu einem Schmerzverst\u00e4ndnis gef\u00fchrt haben, in dem die soziokulturellen Dimensionen h\u00e4ufig ausser Acht gelassen werden. Dabei sind es gerade auch diese, welche die Schmerzwahrnehmung, das Schmerzverhalten und die Schmerzerfahrung wesentlich pr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Thesen zum Schmerz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus dem Schmerz, einem individuell zu wertenden Ph\u00e4nomen, lassen sich dennoch einige Thesen ableiten, die au\u00dfer Frage stehen. So ist Schmerz unproduktiv und destruktiv, chronischer Schmerz ist sinnlos und Schmerz per se kann nicht akzeptiert werden. Chronische Schmerzen haben zerst\u00f6rerisches Potenzial, das sich auf die Einheit Mensch auswirkt. Angegriffen werden sowohl der K\u00f6rper als auch die Psyche. Weil Schmerz subjektiv empfunden wird, ist er immer als echte Wahrnehmung und Wahrheit des Betroffenen anzuerkennen, also ernst zu nehmen. Schmerz darf niemals als blo\u00dfe Einbildung oder als psychisch bedingt abgetan werden, nur weil er medizinisch nicht zu erkl\u00e4ren ist. Chronischer Schmerz ist auch niemals allein psychisch, psychosomatisch oder rein k\u00f6rperlich bedingt zu sehen. Es gibt keine Schmerzpers\u00f6nlichkeiten. Das was es gibt, sind Menschen, die Schmerzen empfinden. Die Stigmatisierung von Menschen mit Schmerzen ist ernsthaft zu bek\u00e4mpfen. Nur weil sich Schmerzen medizinisch nicht erkl\u00e4ren lassen, heisst das noch lange nicht, dass der Mensch keine Schmerzen hat oder sich diese nur einbildet. Jeder Mensch, der Schmerzen empfindet, hat sich das Mitgef\u00fchl der anderen verdient, auch jenes der \u00c4rzte und Therapeuten. Ein schmerzfreier Mensch soll sich dessen immer bewusst sein, dass auch er schon der n\u00e4chste sein kann, der akute oder chronische Schmerzen versp\u00fcrt. Tritt der Schmerzfall ein, so hat jeder Anspruch auf rasche medizinische Hilfe. Schmerz, insbesondere der chronische Schmerz, ist mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden medizinischen Mitteln und so fr\u00fch wie m\u00f6glich zu beseitigen oder zu lindern. Dabei kann jede Methode zum Einsatz kommen, welche zur Linderung des Schmerzes beitr\u00e4gt. Es gibt mittlerweile viele Mittel und Therapien am Markt, mit denen sich das Leiden schmerzerkrankter Menschen abschw\u00e4chen oder vielleicht sogar heilen l\u00e4sst. Findet eine Linderung statt, so darf dies die Suche nach einer noch besseren L\u00f6sung niemals behindern. Chronische Schmerzen lassen sich nur dann endg\u00fcltig besiegen, wenn die Ursache desSchmerzes ermittelt ist und sich diese ausschalten l\u00e4sst &#8211; ganz nach dem Prinzip des elektrischen Lichtschalters; ein\/ aus. Die Zeiten sind endg\u00fcltig vorbei, in denen ein Mensch als Held galt, wenn er seine Schmerzen erduldete und mit W\u00fcrde ertrug. Was im Mittelalter im Trend lag, ist heute ein Tabu. Es soll und darf in der Jetztzeit niemanden mehr geben, der Schmerzen stillschweigend durchleiden muss. Heute kl\u00e4rt der m\u00fcndige, selbstbewusste und eigenbestimmte Patient seinen Arzt und Therapeuten dar\u00fcber auf, wann, wo und auf welche Art es ihn schmerzt. Und die konsultierte Fachkraft wird gemeinsam mit dem Patienten eine entsprechende, m\u00f6glichst wirkungsvolle Therapie erarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schmerz \u2013 ein Ph\u00e4nomen in Gesellschaft, Religion und Medizin Jeder Mensch kennt sie \u2013 Schmerzen. 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